Mittwoch, 16. Juni 2010

Was für ein Tag!

In alter Frau ... äh ... Mutti-Manier beschreibe ich heute meinen Tag - mit Aufregung am Schluss.

Schon früh ging es los. Kurz nach halb 6 morgens kam mein Sohneräuber Augen rubbelnd ins Bad getapst, in das ich erst Sekunden zuvor gelaufen war. Im Gegensatz zu mir sei er schon munter. Ehrlich gesagt sah er gar nicht so aus, aber er wußte genau, dass er heute früher aufstehen mußte. Die Kindergartenkinder wollten in den Tierpark, sodass alle pünktlich 8 Uhr mit Picknickverpflegung im Rucksack und fertig befrühstückt in der Garderobe der Einrichtung erwartet wurden. Natürlich waren wir pünktlich. Überpünktlich sogar - vermutlich, weil der Große sich zum ersten Mal in diesem Jahr morgens wirklich beeilt hat.

Das kleine Kind hingegen hat einen schlechten Tag erwischt - sie wächst oder bekommt Zähne, entwickelt sich oder hat sonst irgendetwas. Seit Tagen hat sie denkbar schlechte Laune, schläft schlecht und heult den halben Tag.

Heute Nachmittag kam ich in den Kindergarten um meinen Sohneräuber wieder in Empfang zu nehmen, da werde ich schon im Flur von einer seiner Freundinnen mit den Worten "Sohneräuber blutet. Er ist gestürzt. Hat bestimmt Blödsinn gemacht." begrüßt. Bestimmt hat er das. Nein, hatte er nicht, sagte gleich die Kindergärtnerin, er sei nur unglücklich gefallen. Aus dem Hintergrund drängte sich mein Großer hervor: das T-Shirt voll Blut, die Nase mit blutigem Rand, Blutspuren im Gesicht, die Hände völlig verschmiert, die Augen verheult und schniefte. Es war gerade erst passiert. Es war auch erst das zweite Nasenbluten diese Woche. Er murmelte noch etwas von Stein in der Nase, doch nichts war zu sehen.

Die weitere Bilanz bis zum Abendessen:
- das kleine Kind schrie die gesamte Autofahrt bis nach Hause
- das große Kind testete, wie man am geschicktesten die 5 Steinstufen zu Nachbars Terasse herunterfällt
- das kleine Kind schrie während ich das Abendessen vorbereitete
- das große Kind fiel derweil von den Balken unserer im Bau befindlichen Terasse, holte sich eine Schramme am Bauch, schlug sich das Schienbein an und beklagte einen aufgeschürften Finger
- einmal Kleidung wechseln vom großen Kind wegen Malheur

Ich fürchte, er wächst. Er ist eigentlich nicht so ungeschickt, wie es gerade scheint - im Gegenteil, er klettert überall herum und fällt nur selten. Wachstumsschübe können echt fies sein.

Endlich dachte ich, die Wäscheberge warten noch, als ich beide Kindelein im Bett hatte. Das kleine Kind schlief bereits, die Gute-Nacht-Geschichte vom großen Kind war gelesen und die Geschichten-CD lief. Geschrei aus dem Sohneräuber-Zimmer holte mich in die Realität zurück. Seine Nase tue weh. Seltsam, dachte ich. Das Nasenbluten müßte längst nicht mehr weh tun. Der Stein, ich erinnerte mich und ging, eine Taschenlampe zu holen. Und siehe da - ein Kieselstein und nicht einmal klein, nur gerade so weit drinnen, das er nicht so einfach zu sehen war. Mein Kopf schwirrt: och je, und du hast es schon im Kindergarten gesagt; das schmerzt natürlich; wie bekomme ich den jetzt raus; was ist, wenn ich ihn nicht herausbekomme; das kleine Kind schläft bereits und ich bin allein zu Hause; wie um Himmels Willen bekomme ich das Ding da raus; lieber eine Pinzette; oder doch etwas Flaches um ihn nach draußen zu rollen; bitte bitte nicht weiter rein rutschen. Die Lösung war denkbar unspektakulär: erst Nasentropfen mit Salz um ein wenig Feuchtigkeit hinein zu bekommen und den Schleimhäuten Ruhe vorzugaukeln, danach ein großes Taschentuch und das Kinde ordentlich instruiert, so stark wie möglich zu schneuzen. Hupf, da war er. Eine bald 4-jährige Nase verträgt also Steine von 1 cm Durchmesser. Meine Vorbereitungen für diese Operation waren umsonst: er durfte sein Shirt wieder anziehen, das große Blutsprudeln ist ausgeblieben. Auch das Tuch, welches ich vorsichtshalber geholt habe, wurde nicht benötigt. Er fand es nicht schlimm und ich bin froh, dass er so glimpflich ohne größere Schmerzen davonkam. Er durfte sogar mit der Taschenlampe auf dem Kopf in sein Zimmer zurück hüpfen.

Mein Abendprogramm ist beinahe erfüllt: Bettdecke, Bettbezug, Laken und Schlafanzug vom großen Kinde sind soeben in der Waschmaschine gelandet und meine Blogrunde ist gelesen. Nur die bereits trockene Wäsche, die wartet noch immer...

3 Kommentare:

Silke hat gesagt…

Es gibt Tage, die möchte man am liebsten wieder streichen... Ich war auch irgendwann mal allein zu Hause mit den Kindern. Die lagen schon im Bett, als dann meine Kleine kam und rief "Mama, ich habe einen Stein verschluckt". Zum "Glück" war es ein geschliffener ohne Ecken und Kanten - nicht zu groß - und er kam irgendwann wieder :-) Ich konnte kurze Zeit später schon darüber lachen, aber in dem Moment ... Manchmal können sie einen echt schocken ;-))
LG Silke

Ladyhawke hat gesagt…

Danke, gut zu wissen, dass es anderen auch so geht... Mein lieber Mann läßt mich mit den Kindern arbeitsbedingt jede Woche einige Tage allein und seltsamerweise passieren solche Dinge immer nur, wenn er nicht da ist. Wenigstens hat sich der Räuber den Stein nicht absichtlich in die Nase gesteckt - er muss beim Sturz hineingerutscht sein.

Liebe Grüße
ladyhawke

Angelika Diem hat gesagt…

Sehr spannend berichtet, ich habe mir schon den Kopf zerbrochen, wie ich in der Situation den Stein herausholen hätte versucht.
Gute Idee, das mit dem Schnäuzen.

Trotz allem ein möglichst unfallfreies Wochenende.